Dick, lesbisch und sehbehindert – Diskriminierung kommt leider überall vor

Innerhalb der Bewegung von dicken Menschen wird oft postuliert, dies sei die letzte Gruppe, die man hemmungslos diskriminieren könne. Sie habe keine Lobby und niemand fände es dramatisch, wenn dicke Menschen als faul oder unkontrolliert stigmatisiert werden. Ich möchte da einen kleinen Kontrapunkt setzen. Nicht, dass ich sagen will, dass dies nicht der Fall ist. Sondern das diese Ausschließlichkeit ein Anspruch ist, der sich aus der Perspektive dicker Menschen so ergeben kann, der sich aber aus anderen Perspektiven anders darstellt. Ich bin gleich in mehreren Randgruppen zuhause.

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Sollten dicke Menschen einen Behindertenausweis beantragen dürfen?

Ein Bericht von Monika MannBody&Peace Workshop 2012 Berlin

Dies war die Frage einer Diskussionsrunde, die Dicke e.V. am 18.2.2015 in Berlin durchgeführt hat. Auslöser für die Diskussion war ein Text, der dieseMöglichkeit forderte – zum einen, um sich als dicke Menschen auch besser gegen Diskriminierungen wehren zu können, zum anderen schlicht um das Leben leichter zu machen.  Dieser Text wurde von Gisela – die beim Workshop im November am Text mitgearbeitet hatte – vorgelesen und in Ansätzen die Diskussion dazu wiedergegeben. Sie berichtete auch von weiteren Informationen, die während des Workshops nicht vorhanden waren, wie beispielsweise die Unterteilung in verschiedenen Behindertenklassen und die dabei relativ schwere Prüfung, einen Behindertenausweis wg. Gehbehinderung ausgestellt zu bekommen. Sie stellte auch nochmal die Ursprungsfragestellung vor:  Wie können sich dicke Menschen vor Diskriminierung schützen? Müssen sie so dick werden (und Folgeerkrankungen nachweisen), damit sie als behindert anerkannt werden? Die Frage ist provokant gemeint.

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Staatlicher Schutz vor Diskriminierung?

Ein Diskussionspapier – entstanden auf dem Workshop „Gut so“ im November 2014Blaue frau

2009 hat die Europäische Kommission eine Richtlinie gegen Diskriminierung erlassen. Dabei ist explizit der Arbeitsmarkt genannt, denn hier kommt es oft zu Diskriminierungen. Die nationalen Staaten in der EU haben im Anschluss dieses Gesetz in nationales Recht umgewandelt, so ist die gängige Praxis in der EU. Leider findet sich weder im Europäischen noch im deutschen Recht eine Klausel wieder, die dicke Menschen vor Diskriminierungen schützt. Es sei denn, sie sind so dick, dass eine Behinderung anerkannt werden kann. Dann greift die Anti-Diskriminierungsrichtlinie, weil behinderte Menschen nicht diskriminiert werden dürfen. In Dänemark hat im Sommer 2014 ein Tagesvater geklagt – ihm war gekündigt worden mit der Begründung, dass er mit seinem Gewicht die Stelle nicht mehr ausführen könne. Wird ihm nun zugesprochen, dass sein Gewicht einer Behinderung gleichkommt, dann könnte das Anti-Diskriminierungsgesetz greifen und er könnte sich wieder in seine Stelle einklagen. Wird es als nicht behindert eingestuft, dann ist er ja nur dick und damit hat er keinen Schutz. Dieses Beispiel macht sehr deutlich, wie absurd hier die Rechtsprechung ist. Alle Randgruppen erhalten Schutz und werden weitestgehend durch das Allgemeine Gleichstellungsgesetz abgedeckt. Nur dicke Menschen fallen da nur darunter, wenn sie es geschafft haben, aufgrund des Gewichts einen Behindertenstatus anerkannt bekommen zu haben.

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