Dick, lesbisch und sehbehindert – Diskriminierung kommt leider überall vor

Innerhalb der Bewegung von dicken Menschen wird oft postuliert, dies sei die letzte Gruppe, die man hemmungslos diskriminieren könne. Sie habe keine Lobby und niemand fände es dramatisch, wenn dicke Menschen als faul oder unkontrolliert stigmatisiert werden. Ich möchte da einen kleinen Kontrapunkt setzen. Nicht, dass ich sagen will, dass dies nicht der Fall ist. Sondern das diese Ausschließlichkeit ein Anspruch ist, der sich aus der Perspektive dicker Menschen so ergeben kann, der sich aber aus anderen Perspektiven anders darstellt. Ich bin gleich in mehreren Randgruppen zuhause.

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Mit dem Alter tritt Ruhe ein, oder?

von Raul Krauthausen – www.raul.de

Irgendein Sprichwort sagt doch “Mit dem Alter kommt die Ruhe”. Okay, vielleicht stimmt das. Aber ich bin da wohl Sprichwort-inkompatibel. Denn mit meinen 33 Jahren werde ich immer unruhiger, was gesellschaftliche Prozesse und den Umgang mit Menschen mit Behinderungen angeht.

Obwohl in der BRD mehr als acht Millionen Menschen eine Behinderung haben, kommt es mir so vor, dass in der Gesellschaft noch an vielen Stellen diese “Minderheit” ignoriert wird.
Die Gesellschaft ist dabei natürlich ein viel zu pauschalisierender Begriff und ich möchte es ein bisschen konkreter fassen: ich denke in dem Fall an die Medien, an akademische Konferenzen, Hotels, Fluggesellschaften und die vielen weiteren, die Behinderungen gerne wahrnehmen, wenn es eine “Überwindungs-Geschichte” ist, die einen Teenager mit Down-Syndrom endlich Basketball spielen lässt oder wenn eine gehörlose Frau endlich Töne wahrnehmen kann. Diese “Überwindungs-Geschichten” lassen viele Menschen ohne Behinderung lächeln, verklären aber die Realität von Behinderung und mildern die Auswirkungen zu häufig sogar ab, damit sie endlich in die Schubladen von nicht-behinderten Menschen passen.
Denn während wir uns rührende Bilder und Filme von Menschen mit Behinderungen via facebook zusenden, die ihr “Schicksal überwunden” haben, sind zur gleichen Zeit mehr als 80% der Menschen mit Behinderungen arbeitslos oder arbeiten in Werkstätten zu irrwitzigen Niedriglöhnen (z.B. 86 Euro im Monat), Unterstützungen werden gekürzt und Wiedereingleidrungsprogramme (was für ein Wort…) sind nur unzureichend ausgebaut. Nicht zuletzt werden auch die Vorgaben für Barrierefreiheit von tausenden Firmen und Institutionen umgangen.

Wer mich kennt, der weiß dass ich nicht gerne über meine Behinderung schimpfe und sie gerne auch mal mit einer Haarfarbe vergleiche, Weiterlesen