Leseabend: Wie sich in der Familie Perspektiven verändern können

Sie wollte gerne anonym bleiben. Zumindest im Netz. Das haben wir respektiert. Dennoch hat sie sich live und in Farbe zu einem Diskussionsabend bereiterklärt. Denn viele Menschen haben auf ihren Beitrag reagiert – ein trauriger Beitrag über den Autounfall ihres Bruders, der seitdem im Wachkoma ist. Allein zu diesem Thema kann man schon einen ganzen Abend reden. Wie eine Familie damit umgeht, wie man mit einem Menschen im Wachkoma umgeht, dass in diesem Fall eine Kontaktaufnahme dann doch möglich ist und wie man mit den eigenen (Kontroll-)ängsten konfrontiert wird, wenn man sich vorstellt, über den eigenen Körper keinerlei willentliche Kontrolle mehr zu haben. Und das war zunächst auch ein ausgiebiger Teil des Gesprächs zwischen den vier Gästen und der Rednerin, nennen wir sie heute Gabriele.

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Dick, lesbisch und sehbehindert – Diskriminierung kommt leider überall vor

Innerhalb der Bewegung von dicken Menschen wird oft postuliert, dies sei die letzte Gruppe, die man hemmungslos diskriminieren könne. Sie habe keine Lobby und niemand fände es dramatisch, wenn dicke Menschen als faul oder unkontrolliert stigmatisiert werden. Ich möchte da einen kleinen Kontrapunkt setzen. Nicht, dass ich sagen will, dass dies nicht der Fall ist. Sondern das diese Ausschließlichkeit ein Anspruch ist, der sich aus der Perspektive dicker Menschen so ergeben kann, der sich aber aus anderen Perspektiven anders darstellt. Ich bin gleich in mehreren Randgruppen zuhause.

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Übergewichtig im Rollstuhl

Gisela hat mich schon vor einiger Zeit gebeten, über meine Situation zu schreiben. Aber es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mich tatsächlich an meinen Rechner gesetzt habe. Denn was soll ich schreiben? Ich bin übergewichtig, das war ich auch vor meinem Autounfall. Seit diesem Unfall vor drei Jahren sitze ich nun auch noch im Rollstuhl und habe seitdem auch einiges an Gewicht zugenommen. Ein schlimmes Schicksal? Ja und nein. Ich hätte auch tot sein können.

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Sollten dicke Menschen einen Behindertenausweis beantragen dürfen?

Ein Bericht von Monika MannBody&Peace Workshop 2012 Berlin

Dies war die Frage einer Diskussionsrunde, die Dicke e.V. am 18.2.2015 in Berlin durchgeführt hat. Auslöser für die Diskussion war ein Text, der dieseMöglichkeit forderte – zum einen, um sich als dicke Menschen auch besser gegen Diskriminierungen wehren zu können, zum anderen schlicht um das Leben leichter zu machen.  Dieser Text wurde von Gisela – die beim Workshop im November am Text mitgearbeitet hatte – vorgelesen und in Ansätzen die Diskussion dazu wiedergegeben. Sie berichtete auch von weiteren Informationen, die während des Workshops nicht vorhanden waren, wie beispielsweise die Unterteilung in verschiedenen Behindertenklassen und die dabei relativ schwere Prüfung, einen Behindertenausweis wg. Gehbehinderung ausgestellt zu bekommen. Sie stellte auch nochmal die Ursprungsfragestellung vor:  Wie können sich dicke Menschen vor Diskriminierung schützen? Müssen sie so dick werden (und Folgeerkrankungen nachweisen), damit sie als behindert anerkannt werden? Die Frage ist provokant gemeint.

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Behindert und Übergewichtig – da gibt es einen Unterschied

Ich bin eine hörbehinderte, schöne, schlanke Frau. Und ich war immer stolz, dass ich meinen Körper „im Griff“ habe. Meine Hörbehinderung ist angeboren, mit diesem Schicksal habe ich mich abgefunden. Um nicht zu sagen, ich kenne es ja auch gar nicht anders. Und jenseits aller Behandlungsmethoden glaube ich nicht wirklich, dass die Forschung in meinem Leben soweit kommen wird, dass ich irgendwann richtig gut hören kann. Und ich will jetzt hier auch gar nicht über die Einschränkungen im Leben eines hörbehinderten Menschen sprechen. Keine Frage, es gibt sie. Aber ich bin ehrgeizig und möchte möglichst gut an diesem Leben teilhaben. Also versuche ich alles was geht, um mir eine halbwegs gute Teilhabe am Leben zu ermöglichen. Und das gelingt mir mal mehr und mal weniger.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich immer sehr abschätzig auf übergewichtige Menschen geschaut, weil sie ihren Körper nicht im Griff haben.

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Wie ein Unfall mein Leben als dickes Familienmitglied veränderte

CIMG0260Vor sechs Jahren hatte mein Bruder einen schweren Verkehrsunfall, er ist seitdem schwerstbehindert und kann nicht reden. Der Unfall hat uns alle schwer getroffen, wir sind alle durch eine Trauerphase gegangen, die vergleichbar mit dem Tod eines geliebten Menschen war. Denn die Veränderung, die mein Bruder durchgemacht hat, ist mit einem Abschied von dem sportlichen und lebenslustigen, erfolgreichen Menschen gleichzustellen. Dazugekommen ist ein Mensch im Rollstuhl, der sehr viel Pflege und Aufmerksamkeit braucht und bei dem wir auf der einen Seite die Hoffnung nie aufgeben werden, dass sich doch noch was in seinem verletzten Gehirn tut, auf der anderen Seite aber schon auch dem Wörtchen Erlösung viel abgewinnen können.

Was das mit mir als dickem Familienmitglied zu tun hat? Auf den ersten Blick wenig. Also wenig mit dem Fakt, dass ich dick bin. Auf den zweiten Blick schon.

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Behindert und dick

Macht es einen Unterschied in der eigenen und in der Wahrnehmung unserer Mitmenschen, ob man dick oder behindert ist? Wie ist dies bei einem Menschen, der beides ist. Dieser Frage ist Gisela Enders nachgegangen und hat sich mit Christine getroffen, einer agilen dicken Frau mit einer Beinamputation.

G: Christine, schön, dass Du bereit bist, mit mir über Dich und Deinen Körper zu reden. Gibt es für Dich einen Unterschied zwischen Deiner körperliche Behinderung und dem vermeintlichen Makel dick zu sein.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAChristine: Eigentlich nicht. Ich war schon immer dick, damit habe ich schon immer einer Randgruppe angehört. Als ich vor knapp 10 Jahren mein Bein verloren habe, musste ich die ersten Monate im Rollstuhl sitzen. Damit war ich dann plötzlich in einer 2. Randgruppe. Als dicker Mensch ist man ein präsenter Mensch, das die Menschen mich anstarren und neugierig oder verschämt schauen, dass war ich bereits gewohnt. Wenn man im Rollstuhl sitzt, ist man genauso präsent – und die Leute schauen. Für mich also kein großer Unterschied in der Wahrnehmung nach außen. Ich halte es wie immer: Manchmal einfach zurück starren, dass ist den meisten Menschen dann doch unangenehm und sie hören auf.

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