Behindert und Übergewichtig – da gibt es einen Unterschied

Ich bin eine hörbehinderte, schöne, schlanke Frau. Und ich war immer stolz, dass ich meinen Körper „im Griff“ habe. Meine Hörbehinderung ist angeboren, mit diesem Schicksal habe ich mich abgefunden. Um nicht zu sagen, ich kenne es ja auch gar nicht anders. Und jenseits aller Behandlungsmethoden glaube ich nicht wirklich, dass die Forschung in meinem Leben soweit kommen wird, dass ich irgendwann richtig gut hören kann. Und ich will jetzt hier auch gar nicht über die Einschränkungen im Leben eines hörbehinderten Menschen sprechen. Keine Frage, es gibt sie. Aber ich bin ehrgeizig und möchte möglichst gut an diesem Leben teilhaben. Also versuche ich alles was geht, um mir eine halbwegs gute Teilhabe am Leben zu ermöglichen. Und das gelingt mir mal mehr und mal weniger.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich immer sehr abschätzig auf übergewichtige Menschen geschaut, weil sie ihren Körper nicht im Griff haben.

Diese Seite hat mich zum Nachdenken gebracht und ich musste sie mehrmals besuchen, weil ich am Anfang immer wieder weggeklickt habe.  Ich finde es anmassend, dass übergewichtige Menschen sich mit behinderten Menschen auf eine Stufe stellen. Übergewichtige Menschen sind nicht mit einem Makel geboren, sie hatten keine schwere Krankheit und sie hatten auch keinen Unfall. Sie haben sich in meinen Augen nicht im Griff. Es mag ja sein, dass auch das Gewicht genetisch bestimmt ist. Aber doch nicht nur, oder? Ich mein, ich schaffe es auch, mit ein bisschen Anstrengung, mein Gewicht zu halten. Aber ich kann mich anstrengen, wie ich will, mehr hören kann ich nicht. Deshalb befremdet mich die Annahme, behinderte und übergewichtige Menschen hätten dasselbe „Schicksal“ schon. Es ist nicht dasselbe. Ich bin nicht schuld an meiner Hörbehinderung. Ich kann nichts dafür. Ich kenne aber viele Übergewichtige, die können schon was dafür und die können auch was dagegen tun. Gut, ich habe hier auch gelesen, dass zahlreiche Diäten nicht funktionieren. Aber auch das kann ich nicht glauben. Es gibt doch immer wieder Menschen, die es geschafft haben. Gut, wenn man aufgrund von einer Krankheit übergewichtig wird, dann kann ich mich einem Vergleich stellen. Diese Person ist dann ja genauso wenig Schuld, wie ich an meiner Behinderung. Aber sind das so viele? Und wie soll man bei Übergewichtigen dann eine Trennung machen? Für viele andere würde so ein „Freifahrtschein“ ja nur als Entschuldigung funktionieren, nichts zu tun. Und das ist der zentrale Unterschied: Sie können was tun, wir nicht!

So, jetzt sind meine Gedanken heraus. Ich weiß auch nicht, warum ich sie Euch schicke. Vielleicht weil ich einen Austausch dann doch interessant finde. Oder weil ich mich bei dem Besuch dieser Seite so aufgewühlt gefühlt habe, dass ich dies hier mal zusammenschreiben musste.

Advertisements

6 Gedanken zu „Behindert und Übergewichtig – da gibt es einen Unterschied

  1. Ein Kommentar von Inken, der uns über Facebook erreicht hat:
    Ich finde es anmassend, dass übergewichtige Menschen sich mit behinderten Menschen auf eine Stufe stellen. Übergewichtige Menschen sind nicht mit einem Makel geboren, sie hatten keine schwere Krankheit und sie hatten auch keinen Unfall.“

    Und ich finde diese Aussage anmassend.
    Genauso wenig wie man alle behinderten Menschen über einen Kamm scheren kann, kann man alle dicken Menschen über einen Kamm scheren.
    Woher weiß die Autorin, dass niemand der übergewichtig ist, durch genetische (oder umweltliche) Dispositionen, eine schwere Krankheit (körperlich oder seelisch) oder einen Unfall dazu gekommen ist dick zu werden? Alles auch meiner Auffassung nach, auf viele dicke Menschen zutreffend.

    Ich habe zu dem Thema „Ist / kann Übergewicht eine Behinderung / sein?“ ehrlich gesagt auch noch keine letztendliche Meinung, da – wie bereits bemerkt – Übergewicht, wie auch Behinderung mannigfaltige Formen und Ausprägungen hat und das nur für den einzelnen Menschen festgestellt werden kann.
    Einige Übergewichtige wiegen 150 Kilo, sind sportlich aktiv und können ein normales Leben leben, andere mit derselben Kilo-Zahl haben Beschwerden und sind in ihrem Alltag durch ihr Gewicht ‚behindert‘.

    Ich sehe bei dem Text der Autorin, wie auch bei vielen anderen Menschen, tief verwurzelte, negative Stereotype dicker Menschen. Schuldzuweisungen, wie man sie immer wieder sieht.
    Dazu möchte ich sagen: es gibt Millionen Gründe warum man dick ist. Es gibt auch Millionen Gründe, warum man z.B. übermäßig isst (was bei vielen Übergewichtigen natürlich auch eine der Ursachen sein kann). Nicht alles ist auf Gluttonie und Trägheit zurück zu führen. Das ist ein massives Vorurteil, was „uns Dicken“ immer wieder eingetrichtert wird.
    Und zum Schluss noch dies: Selbst Menschen, die durch „eigene Schuld“ dick geworden sind, haben Respekt und ein lebenswertes Leben verdient. Und der Weg dahin heißt nicht in jedem Fall Gewichtsreduktion, sondern fängt insbesondere beim zwischenmenschlichen Miteinander an.

    Gefällt mir

  2. Ein Kommentar, der von Vero bei Facebook gepostet wurde:
    Ja, zum Teil gebe ich ihr Recht. Aber was heißt das im Umkehrschluss? Dicke, die es nicht schaffen, sich täglich zu 100% in Griff zu haben, damit sie abnehmen, die nicht still sitzen und sich täglich zum Sport aufraffen, die allen Genüssen, die mit Essen und trinken Zusammenhängen nicht für den Rest des Lebens entsagen sind Versager, Luschen, minderwertige Menschen und sie haben nicht das Recht, an dieser Gesellschaft wie ein vollwertiges Mitglied zu partizipieren? Ist es das, wo du hinwillst? Was bringt dir das? Macht es dein Leben besser?
    Irgendwie hab ich es satt, immer wieder zu erklären, warum ich so dick bin und wieso ich nicht dünner werde. Ich hab im Sommer fast 20kg abgenommen, weil ich fast seelisch verreckt bin. Toll war das. Leider geht es mir seelisch jetzt besser und nun geht nix mehr, trotz gesunder Ernährung. Kannst ja mal die Ärzte Fragen, wieso das so ist bei manchen Menschen. Ich weiß es nicht und ich mag mein Leben so auch nicht. Aber ich muss es leben. Jeden verdammten Tag.
    Und mal so in den Äther gesprochen, ich habe einige „behinderte“(ich mag das Wort nicht) Freunde und keiner hat sowas bis jetzt gesagt. Von der Seite erfahre ich bisher immer die größte Akzeptanz. Ich denke, das Mädel hat da ein ganz dickes Problem mit sich selbst.

    Gefällt mir

  3. Ein Kommentar, der von Gabi bei Facebook gepostet wurde:
    Natürlich gestehe ich der Verfasserin ihre eigene Meinung zu. Ich finde es nur schade, dass es immer noch Menschen gibt, die einfach so über andere urteilen. Ich bin dieses „Dicke sind selber schuld“ einfach leid. Ja, ich bin dick und ich bin sicher selbst schuld daran, aber warum erhebt sich jemand anders und zeigt deshalb mit dem Finger auf mich? Wenn es um das Thema Behinderungen geht, kann man genau so gut sagen, ein schlanker, sportlicher Mensch, der Extremsport betreibt und dabei verletzt wird, ist auch selber schuld. Sollte auch er nicht als behindert anerkannt werden? Mich zwingt niemand zu essen, aber ein Skifahrer wird auch nicht gezwungen, sich einen ungesicherten Steilhang runterzustürzen. Ein anderer Punkt ist, ob sich ein „normal“ behinderter Mensch, dessen Behinderung offensichtlich ist, darüber klar ist, welche Überwindung es für einen dicken Menschen bedeutet, derartige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein z. B. hörbehinderter Mensch, wie die Verfasserin, legt ein Attest vor und wird als behindert anerkannt. Ein dicker Mensch muss sich sicherlich vielen (demütigenden) Fragen stellen und sich von anderen Menschen „bewerten“ lassen. Wie genau das Verfahren abläuft, um als behindert anerkannt zu werden, als dicker Mensch, weiß ich nicht. Aber genau solche Meinungen und Äußerungen würden z. B. mich (130 kg) abschrecken, überhaupt daran zu denken, solche Hilfe in Anspruch nehmen zu wollen. Ich möchte mich nicht fragen lassen, ob ich denn wirklich ALLE Diäten die es gibt, ausprobiert habe und warum ich nicht einfach mehr Sport mache. Ich möchte mich auch nicht dem (stillen) Vorwurf aussetzen, anderen auf der Tasche zu liegen, „nur“ weil ich dick bin. Behinderung heißt für mich, in der Lebensführung eingeschränkt zu sein. Die Ursache hierfür sollte nicht im Vordergrund stehen.

    Gefällt mir

  4. Ein Kommentar, der von Astrid bei Facebook gepostet wurde: Hmm,…was soll ich sagen zu diesem schreiben….sie hat sich ,da sie es wie ich verstanden habe nie brauchte…WIRKlich mit Diäten und ob sie funktionieren ,vor allem bei richtig großen Abnahmen ,nie wirklich beschäftigt. Das ist ok , ich weiß ja auch nicht wie es Hörbehinderten Menschen geht ,weil es sich einfach noch nicht ergeben hat. So ist das Leben und das ist nicht schlimm…. Aber ich würde mir nie ein Urteil in irgend einer Art und Weise über Sie erlauben . Soviel dazu….. Ob starkes Übergewicht eine anerkannte Behinderung sein sollte …..ich kann mir wirklich immer noch keine eigene Meinug darüber bilden …obwohl ich jetzt schon viel darüber gelesen habe. Es geht da immer um Einschränkungen am normalen Leben teilnehmen zukönnen, sehr kurz formuliert . Also ich weiß auch nicht ob ich nun dazu gehöre oder doch noch nicht …Zahlen ,zahlen,zahlen….ich bin dick 156 kg fühle mich aber nicht behindert …gut ich weiß nicht ob ich in der Klappstuhlklasse fliegen ,aber Buissnes passt bestimmt, nur ein Frage der Kohle , so what . Ok , reiten lernen kann ich auch nicht , da es in Reitschulen in der Regel keine Pferde gibt die so schwere Lasten tragen können. Bevor jetzt alle wieder aufstöhnen, nein ich bin nicht naive ich kenne auch den ein oder andern sehr dicken Menschen die sich sehr wohl behindert fühlen aber meistens durch Knochen und Gelenk Beschwerden . Also vielleicht eine von Fall Zu Fall Entscheidung …..aber da is wieder der posten Mensch der beurteilt …..oh man ….also ich bin mir einfach noch nicht sicher .

    Gefällt mir

  5. Ich bin eine dicke, attraktive und aktive Frau, und finde den Vergleich von dick sein und Behinderung ehrlich gesagt vollkommen absurd. Behinderung heißt ja per Definition, dass man an etwas gehindert wird bzw dass gewisse Tätigkeiten eine gewisse Herausforderung darstellen. Das ist bei meinem Körper – und bei denen eigentlich aller Dicker, die ich kenne – nicht der Fall. Ich tanze und flirte und habe einen Uniabschluss und schreibe Bücher und kleide mich hübsch und reise und blogge und und und … mit anderen Worten: ich lebe völlig normal, und gesund, und das mit Kleidergröße 52. Es gibt in meinem Leben keinen einzigen Punkt, an dem ich mich von meinem Gewicht auch nur Ansatzweise an etwas gehindert fühle. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich auf Menschen mit Behinderungen irgendwie herabsehe, ganz im Gegenteil, ich bin voller Respekt für sie. Ich will aber nicht, dass mein Körper als irgendetwas anderes dargestellt wird, als er ist, nämlich stark und aktiv und gesund und normal, „trotz“ meiner Fülle (und ja, es mag Mensche geben, die so schwer sind, dass sie sich gehindert fühlen. Aber das sind Einzelfälle).

    Zu Ihrem zweiten Punkt, der Schuldzuweisungsfrage: es gibt ohne Übertreibung dutzende Gründe dafür, warum Mensche zunehmen. Das reicht von Hormonstörungen wie PCOS, Esstörungen, Stress, Depressionen, Genetik, Umweltfaktoren bis zu Diäten und ihren Spätfolgen. Genau, Sie haben richtig gelesen: Diäten machen dick, bringen den Stoffwechsel durcheinander und führen oft sogar in Esstörungen. Wenn Sie mir nicht glauben, googeln Sie Health At Any Size, und lesen Sie das gleichnamige Buch der Ernährungswissenschaftlerin Dr. Linda Bacon. Es gibt auch einen exzellendetn TED-Talk von Dr. Sandra Amodt, die erklärt, warum Diäten rein biologisch nicht funktionieren und warum fast alle nach einer Diät wieder zunehmen, egal, wie diszipliniert sie nicht sind.

    Genau darin liegt auch die Misere. Sehr viele Dicke haben in ihrem Leben schon sehr viel unternommen, um „etwas zu tun“ – also Diäten und Zwangssport – obwohl beide Mittel mehr schaden als nützen. Leider ist die Diätindustrie so mächtig, dass sich die Info „Diäten machen dick“ noch nicht rumgesprochen hat (leider auch bei Ärzten nicht – wissen Sie, wie viele Leute schon als Teens oder sogar als Kinder auf Diäten gesteckt wurden und so in einen absoluten Teufelskreis geraten sind)?

    Abgesehen davon: Körper sind verschieden,genetisch und durch das, was sie erfahren und durchgemacht haben. Ihren Körper fällt es leichter, schlank zu bleiben. Freuen Sie sich darüber, aber ziehen Sie keine Vergleiche zwischen sich und anderen.

    Noch ein Gedanke zum Thema Disziplin und Wille: auch wenn die Medien es nicht oft zeigen, es gibt nicht wenige dicke Menschen, die ziemlich erfolgreich sind. Glauben Sie wirklich, dass jemand, der es schafft, sich ein Medienimperium aufzubauen oder ein Land zu regieren nicht die Disziplin hat, um abzunehmen? Denken Sie mal darüber nach, und über die Bilder, die und vermittelt werden und wie sie mit der Wirklichkeit kontrastieren …

    Außerdem: woher wollen Sie wissen, dass jemand „nichts tut“? Nur, weil er dick ist, und Sie das Klischee im Kopf haben „gesund essen und Sport ist gleich abnehmen?“ Wissen Sie, wie viele aktive dicke es gibt, die auf sich aufpassen und sich gesund ernähren? Viel mehr, als sie glauben. Sicher, die Medien zeigen sie nicht, weil sie dem liebgewonnen Diät-Trugbild widersprechen. Das Netz ist aber voll davon. Nur, weil jemand nicht dünn ist, heißt es nicht, dass er faul ist oder sich nicht bewegt.

    Wenn Sie einen dicken Menschen sehen, sehen Sie nur, dass er oder sie dick ist. Mehr nicht. Alles, was Sie glauben zu wissen, sind Ihre Vorurteile. Das gute ist aber, Vorurteile kann man abbauen, und zu einer informierten, differenzierten Sichtweise gelangen. Insofern finde ich es wirklich gut, dass Sie hier gepostet haben.
    PS: Auf meinem Blog venusinecht.com finden Sie auch einiges zum Thema, vielleicht schauen Sie einmal vorbei, Sie sind herzlich willkommen.

    Gefällt mir

  6. Wäre es so schlimm, im Leben einen Freifahrtschein zu haben und nur das zu tun, was einem gefällt. Grundsätzlich gefällt mir diese Idee und warum soll man sich nicht auch beim Thema Abnehmen oder eben nicht Menschen zugestehen? Ich mein sie tun doch niemandem weh, damit.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s