Gilt starkes Übergewicht per se als Behinderung?

Aktuell verhandelt der Europäische Gerichtshof eine Frage aus Dänemark. Dort wurde einem 160 kg schwerem Mann als Tagesvater gekündigt mit der Begründung, er könne seinen Beruf aufgrund des Gewichts nicht mehr ausführen.

Nun hat dieser Mann in Dänemark gegen diese Kündigung geklagt, mit der Begründung, sein Gewicht sei eine Behinderung und behinderte Menschen dürfen nicht diskriminiert werden. Das dänische Gericht hat nun beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte nachgefragt, ob der Faktor Gewicht – in dem Fall wird als Bemessungsgrenze ein BMI größer 40 angenommen – alleine, ohne andere Krankheiten, als Behinderung angesehen werden kann.

Der Europäische Gerichtshof entscheidet bis Ende des Jahres und wir sind sehr gespannt. Dabei bleiben wir bei unserer Forderung, Diskriminierung aufgrund körperlicher Erscheinungen in jedem Fall als Diskriminierung in die Europäische Richtlinie gegen Diskriminierung (die von den einzelnen Ländern in nationales Recht übernommen wurden) aufzunehmen. Denn es ist egal, ob eine Person mit einem BMI von 32 und kerngesund diskriminiert wird oder auch ein Mensch, der 2m groß ist. Wenn eine Behinderung dazukommt, dann gilt dieses genauso.

Ob nun aber sehr dicke Menschen gleich per se behindert sein sollen? Dies hängt sehr stark von der gesellschaftlichen Definition von behindert ab. Behindert wird schnell gleichgesetzt mit Krankheit, in dem Fall würde jeder dicke, überwiegend gesunde Mensch, automatisch als Kranker zugeordnet werden. Das wäre für die gesellschaftliche und die eigene Wahrnehmung fatal.

Nun ist aber auch nicht jeder behinderte Mensch krank, im Gegenteil. Viele sind in bestimmten Fähigkeiten eingeschränkt, dennoch ansonsten gesund. Sie brauchen aber zur Kompensation ihrer Einschränkungen gesellschaftliche Unterstützung in Form von Rampen, Sehhilfen und was auch immer noch so. Und die Gesellschaft ist sich mehrheitlich einig, dass behinderte Menschen am Leben teilhaben sollen und nicht diskriminiert werden dürfen. Dies trifft dann auch wieder für dicke Menschen zu. Denn in einigen Bereichen, wie bei Flugzeugen, in Cafés oder bei Drehkreuzen werden die Bedürfnisse dickerer Menschen nicht berücksichtigt und es wäre schön, wenn hier ähnliche Angebote zur Verfügung stünden, wie dies für behinderte Menschen angeboten wird. Wenn man also Behinderung als eine Einschränkung, eben Behinderung, wahrnimmt und nicht als Krankheit, dann könnten auch dicke Menschen als behindert eingestuft werden. Denn sie leben definitiv in unserer Gesellschaft mit massiven Einschränkungen. Was meint ihr?

 

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