Ist Schuld nicht ein häufiger Begleiter für viele?

IMG_6440Zufällig bin ich über eine Freundin auf dieses Projekt gestossen. Zunächst dachte ich, dies hätte nichts mit mir zu tun. Ich bin nicht übergewichtig, allerdings auch nicht superschlank und eine Behinderung habe ich auch nicht. Trotzdem habe ich mir die Texte durchgelesen, ich dachte, weil meine Freundin übergewichtig ist. Und weil sie manchmal damit Probleme hat.

Abends war ich zu einem Geburtstagsessen in einem Restaurant eingeladen. Es gab für uns ein schönes Buffet, alles war liebevoll aufgebaut. Und mir war plötzlich glasklar, ich fühl mich schuldig. Ich schäme mich in der Öffentlichkeit zu essen und ich habe die ganze Zeit Angst zu dick zu werden. In der Schlange ging es vielen Frauen so, eigentlich wurde die ganze Zeit nur davon geredet, dass man diese Köstlichkeiten überhaupt nicht essen dürfe. Es hing ein kollektives schlechtes Gewissen in der Luft.

Auf dem Heimweg bin ich dann nochmal in mich gegangen. Ich bin selbst erschrocken, wie oft ich mich beim Essen schuldig fühle. Egal ob in Gesellschaft oder alleine – immer denke ich darüber nach, ob ich das oder jenes essen darf und wenn ja, in welchen Mengen. Und das schlimme, ich mache das so automatisch, dass ich es gar nicht mehr als ein möglicherweise extremes Verhalten wahrnehmen würde. Es ist normal. Ich mach das wie atmen und wie ich mir die Zähne putze und abends ins Bett gehe. Es gehört dazu. Genauso übrigens wie der Gang auf die Waage. Keine Frage, dass ich mich schlecht fühle, wenn ich ein bisschen zugenommen habe. An der Gewichtszunahme bin ich ja selbst schuld, im Kopf geht auch sofort die Suche los, was ich am Tag vorher zuviel gegessen habe und wie ich es heute wieder loswerden kann. Alles automatisch und normal. Ich bin laufend von der Schuld umgeben, meinen Körper und damit mich nicht unter Kontrolle zu halten. Dabei bin ich auch noch in guter Gesellschaft. Mit allen meinen Freundinnen ist dies ein Gesprächsthema, was immer ergiebig ist.

Warum ich das hier schreibe? Weil ich mit anderen teilen will, dass dieses komische Schuldgefühl nichts mit Übergewicht oder eine Behinderung zu tun hat. Es ist allgegenwärtig. Wir sitzen da alle in einem Boot, keine Ahnung, ob es einen Ausweg gibt. Was würde es bedeuten, nicht mehr übers Essen und das Gewicht nachzudenken. Ich hätte irgendwie Angst vor der Kontroll-losigkeit. Vor der Möglichkeit, immer weiter zuzunehmen und meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Vor dem Schuldeingeständnis gegenüber meinen Freundinnen und allgemein der Gesellschaft. Es ist ein bisschen schockierend, aber ich sehe da gerade keinen Ausweg für mich. Ich werde weiter so machen wie bisher. Trotzdem bin ich froh, diese Gedanken entdeckt zu haben und ich hoffe, auch wenn sie vielleicht ein bisschen off-topic sind, hier geschildert zu haben.

Die Verfasserin dieses Textes ist uns bekannt, möchte im Internet aber nicht genannt werden. 

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